Spiritualität in der therapeutischen Praxis


Spiritualität übersetze ich gerne mit Vertrauen und Glauben.
Aus der Systemtheorie wissen wir, dass Vertrauen die Komplexität reduziert.

Dazu ein Beispiel:
Die Beziehung zwischen zwei oder mehreren Menschen ist eigentlich unendlich komplex, wir sprechen von "dynamisch hochkomplex", weil es beim Einzelnen und zwischen den beiden unzählbare, sich ständig verändernde Rückkoppelungen gibt. (Genaueres dazu in meinem Buch: Ayurvedische Psychologie, 2010, Windpferd Verlag, Oberstdorf). Solange zwischen den Personen Vertrauen herrscht, ist es eigentlich ganz einfach, miteinander auszukommen und Projekte aller Art erfolgreich durchzuführen. Sobald jedoch das Vertrauen zerstört ist, wird es in der Regel praktisch unmöglich, miteinander etwas Gescheites anzufangen.

Was ich jetzt an einem Beispiel aufgezeigt habe, spielt sich in einer Partnerschaft, in der Familie in der Unternehmensführung, in der Politik, beim Zusammenarbeiten, im sportlichen Zusammenwirken eines Teams ab: Fehlt das Vertrauen, wird's unendlich schwierig und komplex.

Fehlt bei einem Menschen das Vertrauen in sich selbst, also das Selbstvertrauen,  wird's auch für ihn in seinem vielfach rückgekoppelten Innenleben unendlich komplex. Gelingt es ihm jedoch Selbstvertrauen aufzubauen und den Glauben an sich zu finden, vereinfacht sich seine innere Befindlichkeit und damit sein Leben in erheblichem Mass. Dies ist die Voraussetzung, dass wieder Wachstum und Entwicklung stattfinden kann.

Darum ist das übergeordnete Ziel der ayurvedisch-psychologischen Beratung, dass die Menschen, die zu uns kommen, den Glauben an sich und das Selbstvertrauen (wieder) finden.

Der oft gehörte, gut gemeinte Rat: "Du musst nur an dich glauben", hilft da jedoch wenig. Glaube an sich und Selbstvertrauen kann sich nur allmählich und in einem ganz speziellen, zwischenmenschlichen Klima entwickeln. Es ist eine Frage der spirituellen Persönlichkeitsentwicklung, die in einer Therapie nur unter folgenden Voraussetzungen, die ich als Therapeutin oder Therapeut erfüllen muss, entstehen kann:
  • Als Therapeutin oder Therapeut brauche ich den Glauben an mich und das Vertrauen in mich selbst, damit ich eine spirituelle Ausstrahlung haben kann.
  • Als Therapeutin oder Therapeut bringe ich grundsätzlich meinen Klienten  Glauben und Vertrauen entgegen. Fehlt mir dieser Glaube und/oder das Vertrauen, auch an ihre Selbstheilungskräfte, ist die Klientin bei mir am falschen Ort.
  • Als Therapeutin oder Therapeut muss ich meine Klienten gern haben. Ich muss mich auf sie als Person und über ihre Entwicklung freuen können. Fehlt mir diese Liebe, bin ich nicht der richtige Therapeut.
  • Als Therapeutin oder Therapeut muss ich glaubwürdig sein, das heisst, ich muss ehrlich, transparent, wohlwollend, einfühlsam und wertschätzend sein. Nur so kann eine spirituelle Atmosphäre entstehen, in welcher eine Klientin an die Therapeutin/den Therapeuten glaubt.
Erst wenn diese vier Voraussetzungen erfüllt sind, biete ich Klientinnen/Klienten optimale Bedingungen, für ihre spirituelle Entwicklung. Erst dann wirken meine Botschaften und erst dann fangen auch die spirituellen Methoden an zu wirken. Ohne diesen Unterbau verkommen die besten spirituellen Methoden zur - bestenfalls unterhaltsamen - Zirkusvorstellung.

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